Wettskandal in Österreich

Das fragwürdige Verhalten von Öffentlichkeit und Medien

Mittlerweile dürfte es sich auch bis zum letzten Bergbauernhof in Österreich herumgesprochen haben, dass die Alpenrepublik keine Insel der Seligen ist, was Wettbetrug betrifft. Nach zahlreichen Verdachtsfällen in den vergangenen Jahren hat man nun durch die Anzeige des Grödiger Abwehrspielers Taboga erstmals handfeste Beweise. Der Umgang mit dieser Affäre seitens der medialen Öffentlichkeit sowie der Liga und Clubs ist aber höchst fragwürdig.

Der Fall Taboga und die Berichterstattung

Der ehemalige Kapfenberg Profi, Norwegen-Legionär und bis zu seiner Suspendierung Abwehrchef des Bundesliga-Aufsteigers SV Grödig konnte seinen Bekanntheitsgrad auf wenig Ruhmreiche Weise in den letzten Wochen massiv steigern. Erst ging er zur Polizei um Anzeige gegen Ex-Nationalspieler Sanel Kuljic zu erstatten, der ihn erpresst habe und zur Spielmanipulation anstiften wollte, mittlerweile verdichten sich die Anzeichen immer mehr, dass es sich beim Opfer auch selbst um einen Täter handeln könnte.

Bei der ersten Einvernehmung gab er an, bereits 70.000 Euro an die mutmaßlichen Erpresser bezahlt zu haben und unter Androhung von Waffengewalt ein Geständnis zu getätigten Spielmanipulationen abgegeben zu haben. Tags darauf relativierte er seine Aussage hinsichtlich der Höhe der Summe (es war nur mehr von 30.000 Euro die Rede) und des Bedrohungsgrades, denn er sei nicht mit einer Waffe, sondern mit einem anderen „schwarzen Gegenstand“ bedroht worden.

„Taboga revidierte in seiner zweiten Aussage vor der Polizei den anfangs angegebenen, bereits bezahlten Erpressungsbetrag: Er habe insgesamt nicht über 70.000 Euro an seine Erpresser ausgehändigt, sondern “einen Betrag etwas unter 30.000 Euro”, hieß es seitens der Staatsanwaltschaft Salzburg.“

Und weiter unter der Überschrift „Private Sache“:

„Der ermittelnde Oberst Pracher und die Staatsanwaltschaft geht von einer „privaten Sache” zwischen Kuljic und Taboga aus – weitere größere kriminelle Verflechtungen seien nicht involviert.“

Quelle: http://www.salzburg24.at/wende-im-wettmafia-skandal-groedig-spieler-taboga-relativiert-aussage/3765356

Ähnliche Beiträge über den Wettskandal in Österreich waren in allen großen Medien zu lesen, als über die „Wende im Fall Taboga“ und von „privaten Angelegenheiten“ die Rede war. Was war aber passiert, dass man nun nur mehr von einer privaten Geschichte zweier ehemaliger Freunde berichtete, und die erste Aufregung über einen Wettskandal scheinbar ein Fehlalarm gewesen sei?

Betrachtet man die Fakten, oder zumindest jene, die nach außen gedrungen sind und auf die sich die Medien gestützt haben, so hat sich folgende Wendung im Fall ergeben:

1)    Die Höhe des Betrages wurde seitens Taboga von 70.000 auf 30.000 revidiert

2)    Er sei nicht mit einer Waffe, sondern mit einem „schwarzen Gegenstand“ bedroht worden

3)    Taboga hatte Schulden bei Kuljic

Worin sich nun aber eine Wendung im Fall ergeben hat, und wieso nun alles nichts mehr mit Wettmanipulation zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Vielleicht fehlt es mir hier auch am nötigen Weitblick, nur wo die große Wende aufgrund der geänderten Faktenlage ist, kann ich bei bestem Willen nicht erkennen.

Aktuelle Situation – Wettskandal in Österreich

Mittlerweile hat sich das Blatt insofern gewendet, dass mittlerweile Taboga zumindest in den Medien von der Opfer- in die Täterrolle geschlüpft ist. War anfangs alles davon ausgegangen, dass er ohne jegliche böse Absichten von Kuljic erpresst wurde und sich als mutiger Bürger an die Polizei gewandt hat, kommt immer mehr ans Licht, dass er selbst bis zu einem gewissen Grad an – zumindest versuchten – Spielmanipulationen teilgenommen haben dürfte.

Wie bekannt wurde, haben sich auch mittlerweile vier Spieler des SV Grödig an dessen Manager Christian Haas gewandt und diesem von Anstiftungsversuchen seitens Taboga zur Wettmanipulation berichtet.

Was war passiert?

In der vergangenen Winterpause (2012/13) habe Taboga vier seiner Mannschaftskollegen darauf angesprochen, sich an Spielmanipulationen zu beteiligen. Im Interview mit der Tageszeitung „Österreich“ bestätigt Haas diesen Vorfall, hält die Namen der betroffenen Spieler aber geheim.

Auszüge aus dem „Österreich“ Interview mit Herrn Haas:

ÖSTERREICH: Herr Haas, Taboga soll versucht haben Mitspieler für Spielmanipulationen anzustiften. Was sagen Sie dazu? Christian Haas: Der Vorfall stimmt, die Spieler dachten aber an einen Scherz. Der Vertrag wurde sofort aufgelöst.

ÖSTERREICH: Wie haben sich die Spieler verhalten? Christian Haas: Sie haben sich geweigert. Ich bin stolz, dass sie mir das jetzt mitgeteilt haben.

Quelle: http://www.österreich.at/nachrichten/Spieler-belasten-Groedig-Star/122182305

Hier stellt sich wie so oft in Österreich die Frage nach dem Umgang mit Problemen, sei es die Aufarbeitung der NS-Zeit, Korruption in Wirtschaft und Politik oder wie in diesem Fall Wettbetrug. Nicht erst seit die Bundesliga ihre Aufklärungskampagne in Sachen Wettbetrug gestartet hat dürfte den Spielern bekannt gewesen sein, dass man auf ihre Spiele wetten kann und das es ebenso manipulierte Spiele und organisierte Kriminalität im Fußball gibt.

Die Aussagen der Spieler, dass man dachte es handle sich bei der Aufforderung zur Manipulation um einen Scherz, darf man wohl als außenstehender Beobachter in Frage stellen. Die Teamkollegen von Taboga dürften wohl auch den Menschen gekannt haben und über dessen private Lebensumstände Bescheid gewusst haben – ob man eine solche Aufforderung zur Spielmanipulation in dieser Situation als Scherz auffassen kann scheint mehr als fraglich.

Ebenso kritisch zu hinterfragen ist die Aussage von Christian Haas, dass er darauf „stolz“ sei, dass sich die betroffenen Spieler ihm geöffnet haben. Da die Vorfälle nun schon beinahe ein Jahr in der Vergangenheit liegen, und man sich seitens der betroffenen Spieler erst jetzt dazu geäußert hat, ist aus meiner Sicht nicht gerade ein Zustand, der einen Manager mit Stolz erfüllen sollte. In seiner Gesamtheit wirft dieser Fall zahlreiche Fragen auf, und wie so wirft die mediale Berichterstattung und der Umgang der Öffentlichkeit damit kein gutes Licht auf Österreich.

Für alle Betroffenen gilt wie so oft in diesem Land die Unschuldsvermutung!

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